Liebe Leser*innen,
als Buch des Monats möchte ich Euch heute den neuen Roman von Daniela Dröscher „Lügen über meine Mutter“ ans Herz legen. Vor einigen Wochen stand er bereits auf den Bestsellerlisten sowie auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis und das nicht ohne Grund.

Daniela Dröscher erzählt vom Aufwachsen in einer Familie, in der ein Thema alles beherrscht: das Körpergewicht der Mutter. Ist diese schöne, eigenwillige, unberechenbare Frau zu dick? Muss sie dringend abnehmen? Ja, das muss sie. Entscheidet ihr Ehemann. Und die Mutter ist dem ausgesetzt, Tag für Tag. Die ganze Kindheit über hat der Vater am Gewicht der Mutter zu meckern, da er das Übergewicht seiner Frau dafür verantwortlich macht, was ihm alles versagt bleibt: die Beförderung, der soziale Aufstieg, die Anerkennung in der Dorfgemeinschaft.
Dieses Buch über eine Familie in einem Dorf im Hunsrück zu Beginn der 1980er, wo es am wichtigsten ist was „die Leute“ von einem denken, löst Mitgefühl, Empörung und Zorn aus. Zorn darüber, wie ein Mann seine Frau tyrannisiert, und wie diese Frau über Jahre mit dieser Tyrannei leben konnte.
Die achtziger Jahre mit ihren gesellschaftlichen und familiären Zwängen werden ausgezeichnet wiedergegeben. Die Grünen ziehen in den Bundestag ein, und Helmut Kohl wird Bundeskanzler. Männerherrschaft in allen Bereichen wird überzeugend beschrieben. Mit der Emanzipation hat es in dem abgelegenen Dorf bisher nicht geklappt.
Man liest diesen Roman mit einer Mischung aus Schmunzeln und wachsender Wut. Daniela Dröscher hat ihre Kindheit in einem aufschlussreichen Familienporträt verarbeitet, dessen Sog man sich nicht entziehen kann. Ein Buch, das zum Schmökern einlädt.
Ihr findet das Buch hier in der Bibliothek, sowie das Hörbuch in der Westleihe24.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Euch
eure Michaela Hürtgen





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