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Liebe Leserinnen und Leser,

Sommerzeit ist Reisezeit! Spätestens mit Beginn der Sommerferien bricht auf Autobahnen, Bahnsteigen oder an Flughäfen wieder das Chaos aus, weil es alle Welt in die Ferne zieht.

Was passt da für eine Buchrezension besser als ein Reiseroman?, dachte ich mir – und habe Euch einen ganz besonderen mitgebracht: „P: Trauriges Reisen“ von Jochen Schliemann ist anders als andere Bücher in diesem Genre. Das merkt man gleich zu Beginn:

Protagonist Tim Ross entscheidet sich eines Morgens spontan, nicht zur Arbeit zu gehen. Stattdessen geht er zum Flughafen und bucht das Erste, was ihm auf Anhieb in den Sinn kommt. Nairobi, Oneway-Ticket. Einfach los.
Ohne Koffer oder Plan reist Tim so nach und nach um die ganze Welt, doch egal, an welchen Ort er kommt, kann er diesen nicht genießen. Jedes Mal findet er das Hässliche und die traurige Wahrheit in den Dingen und verbringt seine Zeit lieber mit tiefer Grübelei, als den Moment zu erleben.

Cover 2019-07 Schliemann - Trauriges Reisen 2

Im Verlauf der Geschichte wird dem Leser allmählich begreiflich, warum Tim so ist – warum er gar nicht anders kann – und genauso, was die schwarz verschleierte Frau mit der ganzen Sache zu tun hat, die ihn überallhin zu verfolgen scheint…

Denn ganz klar ist: Tim mag vielleicht ohne Koffer reisen, aber nicht ohne sein sprichwörtliches „Päckchen“.

Mich hat dieses Buch unglaublich berührt – und auch beeindruckt: Anders als viele andere Geschichten in diesem Genre hält es nicht viel von übertrieben paradiesischen Beschreibungen, verrückten Carpe-Diem-Roadtrips oder dem großen Liebesglück am anderen Ende der Welt. Stattdessen beweist es einen ehrlichen, überwiegend ernsten, aber auch mal amüsanten Blick auf die Dinge. Das tut jedoch gerade im Vergleich zu den absolut traumhaften und perfekten Urlauben, die alle anderen immer zu verbringen scheinen, ziemlich gut. (Social Media und Co lassen grüßen!)

Denn die Wahrheit ist – und das transportiert Schliemann in seinem Debüt meiner Meinung nach sehr deutlich -: Egal, wo wir hingehen, wir müssen uns selber mitnehmen.

Trotzdem wirkt in jedem Kapitel die persönliche Begeisterung des Autors fürs Reisen mit und ermutigt den Leser, die Welt auch mal abseits der bekannten Wege zu erkunden – es könnte sich lohnen.

Ein Buch zum Nachdenken, Wiedererkennen, Mitfühlen und Nochmallesen.

Viele Grüße und eine gute Reise, ganz egal, wo es Euch hinzieht,

Lisa Häßy

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Liebe Leserinnen und Leser,

ich bin ja immer wieder fasziniert, was heute technisch alles möglich ist. Und damit meine ich nicht nur ausgefeilte künstliche Intelligenzen, Mikrochirugie oder selbstfahrende Autos – sondern auch, welche Auswirkungen der technische Fortschritt auf die Filmwelt hat!
Gerade im direkten Vergleich zu „Klassikern“ aus der Kindheit fällt einem doch schnell auf, was sich da alles getan hat. Statt von Menschen in Kostümen gespielt, entstehen Monster und sonstige Fabelwesen zum Beispiel heutzutage ganz selbstverständlich am Computer. Auch bei der Wahl der Kulisse ist man nicht mehr auf einen perfekten Drehort angewiesen, sondern modelliert sich seine Welt mittels Greenscreen und Co zurecht. Ist das nicht spannend?

Den Weg bis zum täuschend echten Bild sieht man dabei allerdings nie.

Umso mehr hat es mich gefreut, dass mit „Die Kunst des Films PHANTASTISCHE TIERWESEN: GRINDELWALDS VERBRECHEN“ ein Buch erschienen ist, mit dem man einmal einen Blick hinter die Kulissen eines topaktuellen Kinofilms werfen kann.
Und dieser Blick lohnt sich! Denn abgesehen von den beeindruckenden Szenen-Illustrationen enthält der Bildband auch rohe Entwürfe und verworfene Ideen. Zusätzlich erfährt man viel darüber, wie es überhaupt funktioniert, eine Geschichte auf die Leinwand zu bringen – schließlich stellt sich jeder so eine Fantasiewelt ein bisschen anders vor.

Cover 2019-06 Die Kunst des Films Grindelwalds Verbrechen 2

Somit bietet dieses Buch wirklich einen Rundum-Einblick in J.K. Rowlings Welt, der für Fans keine Wünsche offenlässt. Selbst für mich als jemand, der zugegeben nicht so viel mit Harry Potter & Co anfangen kann, war das Buch absolut faszinierend zu lesen. Und obendrein habe ich wirklich Lust bekommen, mir den Film doch noch anzusehen…

Besonders interessant fand ich, mit wie viel Liebe zum Detail diese anhand von echten Tieren modelliert wurden – und wie aufwendig die Filmemacher dazu recherchieren! Jeder Magie wohnt also auch ein Funken Wahrheit inne… 😀

Also definitiv eine lohnende Lektüre für alle Fans und solche, die es noch werden wollen – schaut gerne mal rein! 🙂

Es grüßt Euch ganz fantastisch,

Lisa Häßy

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Liebe Leserinnen und Leser,

nachdem ich mich Ende letzten Jahres mit Ursula Poznanskis „Thalamus“ zum ersten Mal an einem Thriller versucht habe, muss ich gestehen, dass ich auf den Geschmack gekommen bin. Also habe ich mich an ein weiteres Werk aus dem Genre der Spannungsliteratur gewagt – und bin auch dieses Mal nicht enttäuscht worden! Bei Thomas Erles „Das Lied der Wächter: Erwachen“ handelt es sich um den Auftakt zu einer packenden Endzeit-Trilogie.

Cover 2019-05 Erle - Das Lied der Wächter

Handlungsort der Geschichte ist der Schwarzwald, der nach einem nuklearen Unfall als Sperrgebiet gilt – zumindest heißt es das von offizieller Seite.
So genau weiß eigentlich keiner, was an diesem verhängnisvollen Tag vor 16 Jahren passiert ist.

Auch Felix nicht. Für ihn ist die Sache jedoch doppelt schwierig: Denn seine Eltern waren am Unglückstag auf einer Wandertour im Schwarzwald unterwegs und wurden nie wieder gesehen. Felix, der sich damals in Obhut seiner Tante befand und seitdem bei ihr lebt, erfährt erst an seinem 16. Geburtstag, dass sie gar nicht seine Mutter ist.
Nach dem ersten Schock hält den Jungen nichts mehr zurück und er beschließt, auf eigene Faust nach seinen Eltern zu suchen.

Ausgestattet mit dem Nötigsten dringt er in die streng bewachte Sperrzone ein und macht sich auf die Suche.
Schnell jedoch wird klar: Der Wald ist nicht ohne Grund abgeriegelt. Seltsame Kräfte sind hier am Werk, die sich nur schwerlich mit einem Atomunglück erklären lassen: Technische Geräte versagen den Dienst und der ganze Wald scheint von Energiefeldern durchzogen, aus denen es kein Entrinnen gibt.
Auch wenn Felix nicht weiß, was es ist, aber irgendetwas Großes treibt sein Unwesen im Wald und verfolgt ihn. Spätestens als er auf andere Menschen trifft, die das Unglücksgebiet nie vergessen haben, nimmt die Geschichte richtig an Fahrt auf und man mag das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung, nicht nur für Menschen mit Schwarzwald-Bezug. Thomas Erle beschreibt so treffend, dass die drückende Endzeit-Stimmung wirklich greifbar ist und man Seite für Seite bei Felix‘ Erkundungen mitfiebert. Viel zu schnell hatte ich das Buch ausgelesen und sah mich mit einer guten sowie einer schlechten Nachricht konfrontiert:

Die gute Nachricht – die Geschichte geht in einem zweiten Band weiter (und auch einem dritten, wie ich nach kurzer Recherche rausfand).

Die schlechte Nachricht – da der letzte Band noch nicht erschienen ist (VÖ September 2019), dauert es wohl oder übel noch eine Weile, bis man erfährt, was wirklich mit Felix‘ Eltern passiert ist und was da im Wald vor sich geht…

Aber: Ich freue mich drauf! Der Auftakt der Reihe hat mir sehr gefallen und liest sich wirklich vielversprechend. Ich bin gespannt, wie es weitergeht 🙂

Es grüßt Euch ganz mysteriös (…und leider auch zwangsweise geduldig, seufz),

Lisa Häßy

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Liebe Leserinnen und Leser,

für diesen Monat habe ich etwas ganz Besonderes für Euch: Und zwar fiel mir beim morgendlichen Aufräumen der Bibliothek „eine Anleitung zum Leben auf der Erde“ (laut Untertitel) in die Hände. Nanu, habe ich gedacht und innegehalten – denn haben wir uns gerade in Anbetracht des gesellschaftlichen und politischen Zeitgeistes nicht alle schon mal eine ebensolche Anleitung gewünscht? Einen Leitfaden, wie man es richtigmacht, dieses Leben?

Dass sich die Antwort darauf ausgerechnet in einem Bilderbuch befinden sollte, hat mich dann doch erstmal stutzig gemacht, um nicht zu sagen: skeptisch. Aber ich kann euch bestätigen: Es stimmt. Denn in „Hier sind wir: Eine Anleitung zum Leben auf der Erde“, das Autor Oliver Jeffers anlässlich der Geburt seines Sohnes geschrieben hat, verbirgt sich tatsächlich eine ganze Menge.

Cover 2019-04 Jeffers - Hier sind wir

Was faktenreich damit beginnt, wie die Erde aussieht, wo wir uns im Weltall befinden usw., geht fließend in ein Plädoyer für ein friedliches, respektvolles Miteinander über und dafür, seine Zeit zu nutzen. Sowie die Botschaft: Egal, was kommt, du wirst nie allein sein auf der Welt.

Und das ist Trost und mahnender Hinweis zugleich, finde ich.

Man könnte das Buch einem Kind in vielleicht 20 Minuten vorlesen. Oder in einer halben Stunde, wenn man sich die Zeit nimmt und die wunderschönen Illustrationen genauer betrachtet.
Aber wenn man sich die wenigen Sätze, mit denen dieses Buch auskommt, mal genauer auf der Zunge zergehen lässt, wird schnell klar: Dieses Buch richtet sich nicht nur an Kinder. Denn die Grundhaltung der Welt gegenüber, die dabei transportiert wird, täte meiner Meinung nach auch so manchem Erwachsenen gut.

Daher lautet mein Fazit: Nehmt Euch die zwanzig Minuten und schaut mal rein. Verliert Euch in der Außenbetrachtung. Und lest es dann vielleicht nochmal von vorne. Dann wird einem nämlich erst wieder klar, wie winzig klein doch alles ist – und wie unbedeutend unsere Probleme im großen Ganzen eigentlich sind. Und das, finde ich, ist irgendwie sehr beruhigend 🙂

Zum Schluss gibt es tatsächlich die versprochene Anleitung: „Es sind nur drei Worte, nach denen du leben musst, mein Sohn: Respekt, Rücksicht und Toleranz“, schreibt Oliver Jeffers auf der letzten Seite – und hat damit in einem Bilderbuch für Kleinkinder mehr von Bedeutung gesagt, als ich bisher in so manchem hochgelobten Roman gelesen habe.

Denn mehr braucht es tatsächlich nicht, wenn man genauer drüber nachdenkt.

Es grüßt Euch voller Respekt, Rücksichtnahme und Toleranz,

Lisa Häßy

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Liebe Leserinnen und Leser,

Ich muss sagen, ich bin nicht wirklich ein Freund von Glückspiel, da das Risiko Geld zu verlieren oder in eine Sucht abzurutschen, und sich dadurch das Leben zu zerstören, sehr groß ist. Was mit aber nicht bewusst war ist, dass diese Spiele nicht nur das Leben der Spieler ruiniert, sondern auch das Leben der Spielbetreiber gefährdet.

Ein wahres Beispiel ist das Leben der Molly Bloom, einer ehemaligen Ski-Fahrerin, die nach einem schweren Sturz die Karriere wechselte zu einer erfolgreichen Organisatorin für sehr exklusiver Pokerspiele wurde. Basierend auf ihren Memoiren wird Ihre Geschichte in dem Film Molly’s Game geschildert.

Nachdem ein Unfall bei der Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2002 Molly‘s Skikarriere frühzeitig beendet hat, weicht sie von dem Plan ab, den ihr Vater für sie zurechtgelegt hatte, und zieht nach Los Angeles. Dort beginnt sie als Kellnerin zu arbeiten und lernt dadurch Dean Keith kennen, der sie als seine Sekretärin einstellt und sie bald schon in die Welt des Untergrundpokers einführt. Dean betreibt wöchentliche Pokerspiele für reiche und berühmte Herren und beauftragt Molly damit, die Turniere zu organisieren und an den Abenden die Kasse zu verwalten. Aufgrund ihrer hohen Intelligenz und ihres schnellen Auffassungsvermögens ebenso wie ihrem Charme schafft sie es schnell, sich die Pokerregeln anzueignen und die Spieler von sich zu begeistern. Besonders interessiert ist sie an Spieler X, dem besten Spieler in Dean’s Turnier und einem prominenten Schauspieler. Als Molly aufgrund ihrer Beliebtheit von ihrem Boss gefeuert wird, baut sie sich mit Hilfe von Spieler X, der ihr Potential erkennt, ihr eigenes Turnier auf. Dieses Turnier hat schnell große Bekanntheit und Beliebtheit erreicht, bricht aber aufgrund von Problemen zwischen Molly und Spieler X gänzlich auseinander. Wieder steht Molly scheinbar vor dem Nichts und wieder gibt sie nicht auf. Sie zieht nach New York und baut dort ein neues, unabhängiges und professionelles Turnier auf, dieses erfreut sich ebenfalls großer Beliebtheit, bis Molly sich mit den falschen Leuten einlässt, falsche Entscheidungen trifft und bald wieder vor dem Abgrund steht.

Meine Gedanken zum Film:

Wenn man, wie ich, keinerlei Ahnung vom Poker hat, kann der Film anfänglich etwas verwirrend sein, allerdings habe ich festgestellt, dass man keine Ahnung haben muss, um den Film gespannt zu schauen. Jessica Chastain, die ich zuvor bereits in dem Film Die Erfindung der Wahrheit aus dem Jahr 2017 gesehen habe, schafft es sehr gut starke, aber emotional verschlossene, Frauen zu verkörpern und legt so viel Emotion in ihr Schauspiel, dass man sehr mit dem Charakter mitfühlt. Ich kann den Film allen sehr empfehlen, die sich für Filmbiografien interessieren und einmal hinter die Kulissen exklusiver Pokerspiele schauen möchte.

Die Blu-Ray haben wir natürlich auch für sie in der Bibliothek.

 

Eure Anja Jäger

 

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Liebe Leserinnen und Leser,

ich bin ja immer wieder auf der Suche nach neuer, spannender Lektüre. Als mir vor einigen Tage „Das Heim“ von Mats Strandberg in die Hände fiel staunte ich nicht schlecht, denn auf dem Einband prangte groß und gelb: „Der schwedische Stephen King“.

Bisschen schmal das Buch, für Stephen King, dachte ich. Trotzdem hatte, natürlich, eben dieser gelbe Aufkleber mein Interesse sofort geweckt.

Zum Inhalt:

Zum ersten Mal nach zwanzig Jahren kehrt Joel zurück in sein Heimatstädtchen an der schwedischen Westküste, um seine demenzkranke Mutter zu pflegen. Seit ihrem Infarkt ist Monika nicht mehr dieselbe, und schweren Herzens bringt Joel sie im Seniorenheim unter, wo sie sich zunächst zu erholen scheint.

Doch schon bald verschlechtert sich Monikas Zustand: Sie magert ab. Wird ausfallend. Und spricht dunkle Geheimnisse aus, von denen sie eigentlich gar nichts wissen kann. Manche der Alten halten sie deshalb für einen Engel, andere für einen Dämon, und auch auf Joel wirkt seine Mutter, als wäre sie nicht sie selbst.
Eine von Monikas Pflegerinnen ist Joels Jugendfreundin Nina. Seit zwanzig Jahren haben die beiden nicht miteinander gesprochen, und so schmerzhaft sich ihre Wege damals getrennt haben, so schmerzhaft ist jetzt ihr Wiedersehen.
Und als sich die beklemmenden Vorkommnisse im Heim häufen, findet Joel ausgerechnet in Nina eine Verbündete, um dem Grauen entgegenzutreten.

Mein Fazit: 

Die Geschichte ist sehr spannend geschrieben.Der Alltag im „Nebelfenn“, dem Pflegeheim ist sehr plastisch und ungeschönt beschrieben. Allerdings würde ich nicht behaupten dass der Autor, Mats Strandberg, „der schwedische Stephen King“ ist. Dafür hatte das Buch zu wenig Finesse und war an manchen Stellen einfach zu vorhersehbar. Besonders das Ende fand ich schon sehr flach und durchschaubar.

Trotzdem, klare Lese-Empfehlung!

Bei uns ausleihbar, natürlich.

Tipp: Ladet euch das Buch in der Onleihe-Erft runter!

Beste Grüße

Annika Freitag

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Liebe Leserinnen und Leser,

manchmal sind die Dinge anders, als sie auf den ersten Blick wirken. Das gilt für Lilly Adams‘ Roman „Nebenan funkeln die Sterne“ gleich in zweierlei Hinsicht: Denn Protagonistin Emma führt in Wirklichkeit ein völlig anders Leben als das, was sie auf Instagram abbildet. Die Fotos, die sie dort aus ihrem augenscheinlichen Alltag postet, sind nur aufwendig inszeniert. Ästhetisch, aber keinesfalls echt – was jedoch keiner weiß.

Genauso wenig wie keiner weiß, dass Emma im wahren Leben kaum vor die Tür gehen kann. Nach einem schrecklichen Unfall lebt sie zurückgezogen, denn zwischenmenschlicher Kontakt überfordert sie mehr, als sie es irgendjemandem gegenüber zugeben würde, nicht einmal gegenüber ihrer Familie.

Und erst recht nicht gegenüber Nathan. Denn ihr neuer Nachbar im Apartment gegenüber, mit dem sie sich zu ihrem Entsetzen jetzt die Dachterrasse teilen muss, ist so ziemlich das Gegenteil von Emma: Lebensfroh, offenherzig und gesellig. (Okay, und gutaussehend. Aber auch das würde Emma nie zugeben.)

Kein Wunder, das die beiden einen mehr als holprigen Start miteinander haben. Aber irgendwie fasziniert sie das jeweilige Extrem des anderen auch und mit jedem Stück, das Emma sich aus ihrem Schneckenhaus hervorwagt, kommen die beiden sich näher.

Cover 2019-03 Adams - Nebenan funkeln die Sterne

Allerdings ist da ja noch die Sache mit Instagram: Denn in den verzweifelten Versuchen, bloß nicht als Hochstaplerin aufzufliegen, hat Emma sich über die Jahre immer mehr in ihren Lügenkonstrukten verstrickt und aus anfänglichen Schönspinnereien ist eine ganz neue Identität geworden – inklusive erfundenem Verlobten…

Das ist der zweite Punkt, in dem „Nebenan funkeln die Sterne“ meine Erwartungen übertroffen hat: Die Liebesgeschichte steht gar nicht mal im Vordergrund. Vielmehr geht es um die Schattenseiten des schönen Scheins, der uns in sozialen Netzwerken andauernd begegnet, und um die Folgen von erst nur winzigen Notlügen, die sich bald zu etwas aufbauschen, das viel größer ist als wir selbst.

Mir persönlich hat die Umsetzung von Emmas Zwiespalts sehr gut gefallen! – und vor allem auch zum Nachdenken gebracht: Denn versuchen wir nicht alle hin und wieder, uns besser darzustellen als wir sind? Suchen wir nicht alle nach dem besten Winkel für ein Selfie? Und habe ich nicht auch diesen Artikel Satz für Satz überarbeitet, damit er sich möglichst gut liest?

(Beziehungsweise, ist das alles überhaupt verwerflich?)

Mit so einer Tiefe hatte ich zu Beginn des Buches ehrlich gesagt nicht gerechnet – genauso wenig wie mit der Botschaft, dass es nicht darum geht, perfekt und unversehrt durchs Leben zu gehen, weil das sowieso unmöglich ist. Sondern dass es viel mehr darauf ankommt, was wir daraus machen. Denn nicht nur Emma hat bei dem Unfall, über den sie nicht spricht, etwas erlebt, das sie verändert hat…

Daher gibt es von mir eine ganz klare Empfehlung für alle, die gerne im Drama-Genre lesen, aber (ACHTUNG, SPOILER 🙂 ) auch etwas für Happy Ends übrig haben.

Es grüßt ganz begeistert

Lisa Häßy

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Liebe Leserinnen und Leser,

leider schaffe ich es durch mein Studium manchmal nicht Filme, die ich gerne gucken würde, im Kino zu sehen. Einer der Filme, die mich letztes Jahr interessiert hat ist The Greatest Showman, der am 4. Januar 2018 in die deutschen Kinos kam und dessen Musik mitdem Golden Globe Award ausgezeichnet wurde.

Der Film erzählt die, an die reale Biografie P.T. Barnums angelehnte, Geschichte eines Träumers und seiner Familie. Nachdem Barnum (Hugh Jackman) gefeuert wird, will er einen Kindheitstraum wahr machen und kauft sich 1841 ein Wachsfigurenkabinett, welches allerdings nur wenig Kundschaft anlockt und es ihm und seiner Frau nicht einfach macht ihre zwei Töchter zu ernähren. Allerdings erkennt eine seiner Töchter das Problem und erklärt ihm, dass einem Wachfigurenkabinett einfach das Leben fehlt. Daher beginnt er besondere Leute der Stadt zu rekrutieren. Bald hat er eine bunte Gruppe von Menschen zusammen, die aufgrund von Besonderheiten wie Kleinwüchsigkeit oder Übergewicht aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden.

Meine Gedanken zu dem Film:

Dass die Musik des Filmes großartig sein würde, wusste ich schon bevor ich ihn mir überhaupt ausgeliehen und angesehen hatte. Die Komponisten sind dieselben, die bereits mit der Musik im Film La La Landgroße Erfolge erzielt haben und diesen Erfolg haben sie mit The Greatest Showman wiederholt. Leider konnte mich die wunderschöne Musik aber nicht von fehlenden Charakterentwicklung und der Oberflächlichkeit der Geschichte ablenken.

Wer von Ihnen sich selbst ein Bild machen möchte kann sich den Film gerne bei uns in der Bibliothek ausleihen.

Eure Anja Jäger

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Liebe Leserinnen und Leser,

vorne im Einband der Stammbaum derer von Haxthausen, alter Landadel aus dem Westfälischen, hinten im Einband eine Karte mit dem Bewegungsradius eben dieser Familie. Nicht mehr als 200 km im Umkreis des Stammsitzes Bökerhof bei Paderborn.
Ein gesellschaftlicher und geographischer Mikrokosmos zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Und mittendrin die Hauptperson: Fräulein Nette, heute besser bekannt als Annette von Droste-Hülshoff.
Dass sie einmal eine der bedeutendsten deutschen Dichterinnen sein wird, weiß sie zum Zeitpunkt der Handlung natürlich noch nicht.

Es ist die eine Geschichte über Liebe und Leidenschaft.
Sommer 1820, Fräulein Nette ist jung, gebildet, voller Tatendrang und blitzgescheit. Sie verliebt sich in einen Freund der Familie, leider nicht standesgemäß. Sie liebt das Singen, Schreiben und Diskutieren, das ist leider auch nicht standesgemäß. Denn wie soll eine junge Frau, zumal wenn adelig, in dieser Zeit sein? Sittsam, bescheiden und rein. Genau so. Mehr nicht. Und damit ist ausreichend Stoff für einen spannenden Roman vorhanden.

Der hervorragend recherchierte Roman ist allerdings weit mehr als ein Ausschnitt aus dem Leben der jungen Droste. Er ist vielmehr ein Sittengemälde par excellence der Zeit nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft, nach der Neuordnung Europas am Vorabend der gesellschaftlichen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts. 
Denken und forschen, leben und arbeiten im Spannungsfeld zwischen Restauration und Aufbruch. Geschildert am Beispiel der Adelsfamilie von Haxthausen und Droste-Hülshoff.
Die einen halten fest am Glauben, an Regeln und Konventionen, an Stand und Rang und Namen. Andere streben nach Erneuerung und Entdeckung, nach Wissen und Macht, nach Teilhabe in jeder Hinsicht. Das eine wie das andere ist Männersache.
Das muss gerade die hochbegabte, wissbegierige und bildungshungrige  Annette von Droste-Hülshoff schmerzhaft erfahren. Während Männer forschen, entdecken, schreiben (zum Beispiel Humboldt die Welt, Montgolfier die Luftfahrt, Franklin den Blitzableiter, Heine die Erneuerung der Literatur und die Gebrüder Grimm die Märchen) werden ambitionierte Frauen wie die Droste in ihrem Milieu dazu gezwungen, ihre Lebenszeit mit unfassbar stumpfsinnigen Arbeiten regelrecht zu verplempern.

Hochinteressant und spannend dabei das Drumherum. Da schöpft die Autorin aus dem Vollen. Sie beschreibt wie man aß und trank, wie man wohnte und lebte, wie man sich kleidete und reiste, wie man auf adeligen Landsitzen die Zeit totschlug und in Wirtshäusern zechte, wie man miteinander redete oder auch nicht, wie man intrigierte, die Fesseln von Glauben und Konvention aufrechterhielt oder versuchte, sie zu sprengen.

Und wer das liest ist mittendrin.  Satte 600 Seiten großes Kopfkino. Karen Duve hat einen historischen Roman geschrieben, und was für einen. Chapeau! Fesselnd, packend, erhellend, lesenswert!

Es grüßt Petra Goerge,
die nach dieser Lektüre nicht nur das Euskirchener Stadtmodell mit anderen Augen sieht.

P.S. Ein herzlicher Gruß und Dank an die ehemalige Kollegin Ursula Hensel, die mir diesen Roman so sehr ans Herz gelegt hat.

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Liebe Leserinnen und Leser,

heute möchte ich euch den aktuellen Thriller von Bernhard Aichner vorstellen. Manch einer von euch kennt Bernhard Aichner vielleicht von seiner Triologie „Totenfrau“, die ich persönlich noch nicht gelesen haben. Noch nicht.

Denn sein neuer Thriller „Bösland“ war so packend und spannend das ich ihn in 3 Tagen durchgelesen habe. Und ich bin eher die Schnecke mit Rollator unter den Lesern.

Aber erst mal zum Inhalt: 

Der 10 jährige Ben wächst in einer morbiden und von Misshandlungen geprägten Familie auf. Seine wegsehende Mutter wird nur von seinem alkoholkranken und prügelndem Vater übertroffen. Der Dachboden, das Bösland, der Familie wird zum Schauplatz der Grausamkeit. Wenn sein Vater ihn nicht gerade prügelt oder misshandelt, quälen Ben und sein bester Freund Felix Kux hier Tiere, trinken Bier und halten alles auf einer alten Kamera fest. Eines Tages wird im Bösland ein Mädchen brutal tot geprügelt… Ein Junge wird verhaftet, landet in der Psychiatrie. Doch 30 Jahre später beginnt er erneut zu morden…

Mein Fazit:

Die ersten 100 Seiten von „Bösland“ habe ich quasi mit offenem Mund gelesen. Der arme Ben so bitterböse wird ihm mitgespielt. Ein kleiner Junge, der nach und nach selbst eigenartig wird, weil ihm zu viel zugestoßen ist. Später macht die Geschichte dann eine radikale Wendung durch. Am Anfang dieser Wendung ist mir zunächst nicht klar, ob es tatsächlich real ist oder Ben begonnen hat zu halluzinieren. Darauf möchte ich aber jetzt nicht näher eingehen. (Spoileralarm)

Zwischendurch hat es mir etwas an Tiefe gefehlt. Warum werden all diese Morde begannen? Was bewegt den Mörder? Irgendwie ist er einfach nur böse und das war’s.

Bernhard Aichner spielt mit seinem Schreibstil gekonnt mit Dialogen und Erzählungen. Jederzeit verständlich, jederzeit interessant geschrieben.

Lediglich das Ende der Geschichte war mir ein wenig zu flach. Ich hatte das Gefühl der Autor hat plötzlich keine Lust mehr und möchte das Buch schnell zum Abschluss bringen. Ich hatte mir vom Ende mehr erhofft. Einen großen Knall mit Aha-Effekt, vielleicht.

Dennoch: Absolute, 100% Lese-Empfehlung!

Ausleihbar bei uns, natürlich.

Beste Grüße

Annika Freitag

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